Quelle: Der heilige Martin und der Bettler (El Greco, 1597/99, National Gallery of Art, Washington D.C.)
Vom Offizier zum Bischof
Martin wurde als Sohn eines römischen Soldaten im heutigen Ungarn geboren. Im Alter von 15 Jahren wurde Martin dem Willen seines Vaters folgend Soldat und gehörte der gallischen Armee an. Schon bald wurde er zum Offizier ernannt.
Als Martin eines Wintertages ein Truppenlager in der Nähe von Amiens aufsuchen wollte, sprach ihn am Stadttor ein alter Bettler um Almosen an. Martin jedoch konnte ihm nicht helfen, da er weder Nahrung noch Geld mit sich führte. Da kam ihm die Idee, seinen Soldatenmantel mit dem Schwert in zwei Hälften zu schneiden und dem frierenden armen Mann eine Hälfte zu überlassen. Der Legende nach erschien Martin in der folgenden Nacht Jesus im Traum, gewandet in der verschenkten Mantelhälfte.
Diese Erscheinung brachte den Offizier endgültig dazu, seine militärische Karriere aufzugeben und sich taufen zu lassen. Im Anschluss ging Martin in die Mission und begründete das erste Kloster Galliens. Rund zehn Jahre später wurde er zum Bischof von Tours ernannt. Anstatt im bischöflichen Haus zu leben, zog er jedoch weiterhin den Lebensstil eines Eremiten vor und ließ sich mit ein paar Getreuen in kleinen Hütten vor den Toren der Stadt nieder. Diese bescheidene Haltung und gleichzeitig sein kompromissloses Eintreten für den rechten Glauben machten ihn im Volk überaus beliebt. Gleichzeitig brachte ihm diese Haltung die Gegnerschaft einiger anderer Kirchenfürsten ein.
Martin starb auf einer Seelsorgereise im November 397. Über seinem Grab im heutigen Candes-Saint Martin ließ sein Schüler und Nachfolger Briktius eine prächtige Basilika errichten. Die Reliquien des Heiligen sind im Mittelalter weitgehend zerstört worden. Die übrig gebliebenen Gebeine werden bis heute in der Martinsbasilika in Tours aufbewahrt.
Vorbild unserer Zeit
Durch seinen Handeln in Nächstenliebe und Barmherzigkeit ist der Heilige Martin ein Vorbild unserer Zeit und erinnert daran, was es bedeutet zu Teilen. Auch die pastorale Arbeit in der Seelsorgeeinheit Mannheim St. Martin orientiert sich immer wieder am Handeln des Heiligen von Tours.
Das Brauchtum um den Heiligen Martin ist bis heute noch weit verbreitet. Die traditionellen Martinszüge mit dem Reitersoldaten und den Laternen finden Zulauf bei Jung und Alt. Früher war die fette Martinsgans das letzte reichhaltige Mahl vor der adventlichen Fastenzeit. Ebenfalls als Kraftspender für den langen Winter diente das besonders fetthaltige Martinsgebäck, dessen moderne Nachfolger, Stutenkerl und Weckmann, bei keinem Martinsumzug fehlen dürfen.
Kurzform eines Textes von Thomas Mollen (Langform: kirchensite.de)